Nahrungsergänzungsmittel können Arthrose nicht „wegzaubern“. Sie können jedoch als begleitende Maßnahme Beschwerden positiv beeinflussen. In Studien zur Arthrose der Hand, der Hüfte oder des Knies werden teilweise relevante schmerzlindernde Effekte beschrieben. Die Datenlage ist für viele Mittel allerdings begrenzt, und nicht jeder statistisch signifikante Effekt ist automatisch auch klinisch bedeutsam.
In Studien konnten für L-Carnitin, Pycnogenol, Curcumin, Boswellia-serrata-Extrakt, Curcuma-longa-Extrakt, Passionsfruchtschalenextrakt und Kollagenhydrolysat kurzfristige Erfolge bei der Schmerzlinderung beobachtet werden. Darüber hinaus zeigten einzelne Präparate auch positive Effekte auf die Gelenkfunktion, darunter Pycnogenol, L-Carnitin, Passionsfruchtschalenextrakt, Kurkumaextrakt, Weihrauchextrakt, Curcumin und Methylsulfonylmethan. Bei mehreren dieser Substanzen beruhen die positiven Ergebnisse allerdings auf wenigen Studien.
In Übersichtsarbeiten zeigten andere Präparate wie nicht denaturiertes Kollagen Typ II, Avocado-Soja-Unverseifbares, Glucosamin, Chondroitin und Diacerein zwar teilweise statistisch signifikante Effekte, ein klar relevanter klinischer Nutzen ließ sich daraus jedoch nicht ableiten.
Bei Glucosamin ist eine genaue Unterscheidung der verwendeten Präparate wichtig. In der wissenschaftlichen Literatur wird zwischen Glucosaminsulfat, Glucosaminhydrochlorid und spezifischen standardisierten Formulierungen wie dem patentierten kristallinen Glucosaminsulfat (pCGS) unterschieden. Positive Daten beziehen sich überproportional auf Glucosaminsulfat, insbesondere auf die standardisierte kristalline Form in einer Dosierung von 1.500 Milligramm einmal täglich, vor allem bei Kniearthrose. Die Gesamtevidenz zu Glucosamin bleibt jedoch gemischt – nicht jedes frei verkäufliche Glucosaminsulfat-Produkt muss denselben Effekt haben.
In der Praxis bedeutet das: Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn sie gezielt ausgewählt und eingesetzt werden. Sie ersetzen jedoch nicht die Grundlagen einer nachhaltigen Arthrosebehandlung. Dazu gehört ein stimmiges Gesamtkonzept aus entzündungsarmer und eiweißbewusster Ernährung, einer guten und kontrollierten Mikronährstoffversorgung, regelmäßiger Bewegung, Muskelaufbau, Gewichtsregulation und einem ausgeglichenen Lebensstil.

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https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0049017215002899?via%3Dihub Bruyère O, Altman RD, Reginster JY. Efficacy and safety of glucosamine sulfate in the management of osteoarthritis: Evidence from real-life setting trials and surveys. Semin Arthritis Rheum. 2016 Feb;45(4 Suppl):S12-7. doi: 10.1016/j.semarthrit.2015.11.011. Epub 2015 Dec 2. PMID: 26806187.
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